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Adipositas - aerzte-index24.de

Die Adipositas bzw. Fettleibigkeit, Fettsucht, Obesitas (selten Obesität; im engl. aber fast nur „Obesity") ist eine Bezeichnung für starkes Übergewicht durch eine über das normale Maß hinausgehende Vermehrung des Körperfettes mit krankhaften Auswirkungen. Es werden drei Schweregrade unterschieden. Die Abgrenzung zwischen den verschiedenen Schweregraden erfolgt meist über den Körpermasseindex (BMI) mit einem BMI gleich bzw. größer als 30.

Definition und Abgrenzung
Adipositas bedeutet starkes Übergewicht und zu viel Körperfett. Übergewicht wird mittels Körpermasseindex (BMI) gemessen und klassifiziert. Besonders nachteilig sind Fettdepots im Bauchraum und an den inneren Organen. Indikatoren für den Anteil von Körperfett und dessen Verteilung sind der Bauchumfang und das Taille-Hüft-Verhältnis.

Anhand des Körpergewichts und auch des BMI können über das Risiko von Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankung nur bedingt Aussagen getroffen werden. Für das kardiovaskuläre Risiko ist weniger das Ausmaß des Übergewichts als vielmehr das Fettverteilungsmuster entscheidend. Besonders nachteilig wirken sich hier Fettdepots im Bauchraum (speziell dem Omentum majus) und an den inneren Organen aus. Dieses innere Bauchfett - Fachleute nennen es „intraabdominales Fett“ oder „viszerales Fettgewebe“ – ist sehr stoffwechselaktiv. Es beeinflusst den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel (Zuckerstoffwechsel), so dass Fettstoffwechselstörungen und Diabetes die Folge sein können.

Eine erste Selbstdiagnose ist einfach: Bauchumfang messen. Ein erhöhtes Risiko liegt für Frauen ab 88 cm vor, bei Männern beginnt der Risikobereich ab 102 cm.

Sportlich hochtrainierte Menschen haben viel Muskelgewebe von hoher Dichte und können damit einen hohen BMI erreichen, ohne zu viel Fettgewebe zu haben oder übergewichtig zu sein. Jedoch kommen sie damit nicht in den Bereich der Adipositas die relativ eindeutig als Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen identifiziert wurde

Ursachen
Folgende Ursachen müssen unterschieden werden:

genetische Faktoren

zu viel und falsche Ernährung einerseits – zu wenig Bewegung (Energieverbrauch) andererseits

gestörtes Essverhalten als Sucht

Übergewicht tritt gehäuft in industrialisierten Ländern auf, wo nur noch wenige Menschen harte körperliche Arbeit verrichten und Nahrung im Überfluss vorhanden ist. Die sogenannten Schwellenländer sind aber ebenfalls zunehmend betroffen. Zahlreiche Studien haben den Zusammenhang zwischen BMI und Nahrungsaufnahme untersucht. Das Ergebnis ist überraschend. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen den aufgenommenen Kalorien und dem beobachteten BMI. (VERA-Studie)

Genetische Faktoren
Genetische Faktoren (Erbanlage) prägen den Grundumsatz, die Nahrungsverwertung und das Fettverteilungsmuster. Die Nahrungsverwertung war zu Zeiten der "Jäger und Sammler" ein wichtiges Überlebensmerkmal: wer den Überschuss in Fettzellen abspeichern konnte, konnte in Zeiten des Mangels davon zehren. Zwillingsstudien haben gezeigt, dass Übergewicht eine starke genetische Komponente hat.

Sozio-kulturelle Faktoren
Sozio-kulturelle Faktoren (Ernährungssoziologie) verführen sowohl zu Überernährung, als auch zu Unterernährung und zu Bewegungsmangel:

Sitzende Tätigkeit

Geringe Bewegung durch Auto, Fahrstuhl, Rolltreppe

Passive Freizeit (Fernsehen, Computerspiele, "Rumhängen")

Frust, Langeweile, Stress

Waren-Überangebot

Essen als Ersatz für emotionale und persönliche Zuwendung

Erziehung: „Der Teller wird leer gegessen“, „Iss was, dann wirst du was!“

keine gemeinsamen Mahlzeiten, Fertignahrung statt frisch gekochter Mahlzeiten aus Grundnahrungsmitteln

Essen vor dem TV oder im Kino, Lesen beim Essen, "Frühstücken" im Auto auf dem Weg zur Arbeit, Drive-in-Schalter bei fast-food-Ketten + essen auf dem Parkplatz etc.

negative Vorbilder : übergewichtige Eltern haben oft übergewichtige Kinder

Fastfood: Portionengröße, Essgeschwindigkeit, zu hoher Fett-, Salz- und Zuckergehalt, dabei nicht ausreichend sättigend.

Geschmacksverstärker Glutamat (verhindert Sättigungsgefühl)

Farb- und Geruchsstoffe, die das Essen appetitlicher erscheinen lassen

Werbung für Süßes und Fettes

Geschmacksprägung durch Zuckerzusatz (Softdrinks, Baby-Nahrung, gesüßter Tee; selbst Würste (!) enthalten Zuckerstoffe)

Jojo-Effekt nach einer Diät (durch Rückfall in alte Essgewohnheiten)

Übergewicht als Schönheitsideal in manchen Kulturen

Informationsmangel, fehlende Aufklärung, Mangel an alternativen Produkten, z. B. Wurstwaren deren Fettgehalt reduziert ist und gleichzeitig das tierische Fett durch Pflanzenöl ausgetauscht ist.

Die zunehmende Verbreitung der Adipositas in westlichen Ländern korreliert auch mit der Verkürzung der Nachtruhe, der höheren durchschnittlichen Temperatur in Häusern, der Abnahme der Zahl gerauchter Zigaretten und der Zunahme des Gewichtes der Vorfahren. Menschen mit höherem Körpergewicht haben mehr Kinder und Adipositas wird auch durch genetische Faktoren hervorgerufen, mithin nimmt auch dadurch der Anteil adipöser Menschen an der Gesamtbevölkerung zu. Die Zunahme der Lebenserwartung spielt auch eine Rolle, denn unter 40- bis 79-jährigen ist der Anteil Adipöser etwa dreimal so hoch, wie unter jüngeren. Der zunehmende Gebrauch von Neuroleptika könnte auch eine Zunahme der Adipositasrate bewirkt haben. Es gibt Hinweise, dass die zunehmende Verbreitung von Pestiziden, Farbstoffen, Geschmacks- und Aromastoffen, Plastik oder Lösemitteln Adipositas begünstigt. Eine ältere Mutter ist ein Risikofaktor für das Kind übergewichtig zu werden und Mütter wurden die letzten Jahrzehnte immer älter. Adipöse heiraten eher Adipöse und die gezeugten Kinder haben deshalb ein erhöhtes genetisches Risiko selbst adipös zu werden

Krankhafte Faktoren
Essstörung und Sucht sind immer dann anzunehmen, wenn oft und ohne Hungergefühl zwanghaft große Mengen von Nahrungsmitteln verzehrt werden. Zu den Ursachen von Essstörung und Sucht siehe dort.

Stoffwechselkrankheiten sind nur in etwa 2 % aller Fälle ursächlich für Übergewicht: Schilddrüsenunterfunktion, Störungen des Kortisonhaushaltes (Cushing-Syndrom). Einige Medikamente können eine Gewichtszunahme begünstigen: Hormone, Antidepressiva, Neuroleptika, Kortikosteroide. Vermutet wird auch ein Zusammenhang mit einer Infektion durch das Adenovirus des Typ HAdV-36.

Folgen
Adipositas korreliert mit einer ganzen Reihe von Krankheiten. Dies kann bedeuteten,

dass diese Krankheiten Adipositas hervorrufen,

dass Adipositas mit anderen Faktoren (Kofaktoren) zu diesen Krankheiten führt oder

dass Adipositas und diese Krankheiten in wiss. Studien zugleich beobachtet werden (im Sinne einer nicht eindeutigen Wechselwirkung, Korrelation) oder

dass sie möglicherweise eine gemeinsame unbekannte Ursache haben.


Für die hier aufgeführten Folgen von Adipositas existiert oft nur eine Korrelation. Ob Adipositas wirklich die Ursache ist, ist also noch unklar. Um kein Risiko einzugehen, werden diese Krankheiten aber trotzdem den Folgen von Adipositas zugeordnet, obwohl dies oft nicht bewiesen ist, nicht eindeutig beweisbar oder eventuell sogar (aber auch noch nicht nachweisbar) falsch ist.

Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) sind hohe Risikofaktoren für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Kommen noch zwei der Risikofaktoren Diabetes (Zuckerkrankheit), Fettstoffwechselstörungen (erhöhtes Cholesterin, bzw. LDL) oder Bluthochdruck hinzu, wird die Gefahr einer Herz-Kreislauf-Erkrankung (kardiometabolischen Risikofaktoren) nochmals deutlich erhöht, ebenso das Risiko eines verfrühten Todes.

Rauchen und Stress erhöhen zusätzlich das Risiko für einen Verschluss der Herz- und Gehirnversorgenden Gefäße.

Adipositas ist mitverantwortlich für ein gehäuftes Auftreten vieler Zivilisationskrankheiten. Sie erhöht das Risiko für Hypertonie (Bluthochdruck), Diabetes mellitus Typ 2 (Altersdiabetes, Zuckerkrankheit), Reflux, Herzinfarkte, Arteriosklerose, Schlaganfälle, Brustkrebs, Arthritis und Arthrose, Gelenkschmerzen, Fußdeformitäten (Stempelfuß), Gallenblasenerkrankungen, Gicht und das Obstruktive Schlafapnoe-Syndrom. Die Gefährlichkeit einer Venenschwäche/Venenthrombose, ebenfalls durch Übergewicht bedingt, wurde lange Zeit verkannt. Beträgt der BMI im mittleren Lebensalter zwischen 25 und 29,9 ist das Mortalitätsrisiko bereits um 20–40 % erhöht.[3] Andere Studien kommen zum Ergebnis, dass Personen mit leichtem Übergewicht das geringste Mortalitätsrisiko haben. [4] Übergewicht mindert die Zeugungsfähigkeit. 9 kg Gewichtszunahme erhöht die Wahrscheinlichkeit von Unfruchtbarkeit um 10 %. [5]

Auch die seelischen Folgen der Adipositas sind gravierend. Die Betroffenen fühlen sich oft als Versager und Außenseiter. Oft treten psychische und sogar wirtschaftliche Schäden für die Betroffenen auf, weil Fettleibigkeit gesellschaftlich nicht toleriert wird und Betroffene oft beruflich ausgegrenzt werden.

Die durchaus auch finanziellen und sozialwirtschaftlichen Folgen von Übergewicht sind enorm. Ernsthafte Schäden am Stütz- und Bewegungsapparat (Gelenkschäden, Muskelverspannungen, Knochendeformation, Schäden an Bändern, Sehnen und Schleimbeuteln, Wirbelsäulenverkrümmung und Bandscheibenvorfall, sowie Knochenwachstumsstörungen bei Kindern und Jugendlichen) führen zu unzähligen Sekundär-Therapien und schweren Operationen.

Behandlung
Je nach Ursache sind unterschiedliche Therapien angezeigt. Realistische Ziele sind eine leichte Gewichtabnahme oder eine Stabilisierung des Gewichts. Langfristige Behandlungserfolge sind bis heute nicht nachgewiesen worden. Auch eine Kombination mit Ernährungs-, Verhaltens- sowie Bewegungstherapie ändert daran nichts.

Nebenwirkungen
Sowohl Ernährungsumstellung als auch Diät sind nicht frei von Nebenwirkungen. Diese sind:

Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden nicht durch Übergewicht sondern von Diäten hervorgerufen
Krebs: Bei einem beabsichtigtem Gewichtsverlust von 1-10kg steigt das Krebsrisiko bei Frauen um 24-63%.
Dies bedeutet aber nicht das Abnehmen immer unsinnig ist. Es bedeutet nur, dass es für jeden Patienten einzeln geprüft werden muss.

Gewichtsreduktion
Eine Gewichtsreduktion führt nicht nur zu einer Verringerung des Risikofaktors Adipositas, sondern hat auch positive Effekte auf Herz-und Kreislauf-Risikofaktoren. Das Abnehmen fällt jedoch häufig schwer: Sind die Fett-Reserven auf den Hüften und am Bauch erst einmal angelegt, baut der Körper sie nur schwer ab. Besonders bei starkem Übergewicht erweist sich die Behandlung als sehr schwierig. Insbesondere Rückschläge oder ausbleibender Erfolg veranlassen den Patienten (aber auch den Behandler und die Angehörigen) häufig dazu, das Vorhaben ganz aufzugeben. Zudem liegen oft Begleiterkrankungen vor, die den Leidensdruck des Patienten erschweren und parallel behandelt werden müssen. Sinnvoller ist daher die frühe Einübung eines gesunden Lebensstils, um eine Gewichtszunahme zu vermeiden.

Ernährung und Bewegung
Ernährung und Bewegungsverhalten sind in hohem Maße eine Gewohnheitssache. Für Patienten ohne psychische Krankheitselemente kann eine einfache Information zur gesünderen Ernährung und Unterstützung bei der Ernährungsumstellung und zu mehr Bewegung durchaus Erfolg haben. Es ist allerdings wissenschaftlich nicht ganz gesichert, welche Ernährungsform am ehesten Abhilfe schafft. Meist wird zu mehr Ballaststoffen (s. a. Vollwertkost) und Fette vermeiden geraten, und Nahrungsmittel mit einem hohen Anteil an gesättigten Fetten sollen durch Nahrungsmittel mit mehr essentiellen Fettsäuren ersetzt werden, bzw. der Fettkonsum sollte insgesamt drastisch eingeschränkt werden. Steigerung der körperlichen Bewegung ist der zentrale Gegenspieler in der Energiebilanz. Insbesondere Ausdauersport wie Fahrradfahren, Schwimmen, Wandern und Joggen dienen - konsequent über Monate und Jahre durchgeführt - der Gewichtsreduktion.

Essstörung
Bei einer Essstörung ist meist eine mehrwöchige Therapie in einer Spezialklinik erforderlich (siehe: Psychosomatische Klinik), ergänzt durch regelmäßige langjährige Mitarbeit in einer Selbsthilfegruppe (z. B. Overeaters Anonymous).

Therapie
Wenn eine Verhaltensänderung bei Ernährung und Bewegung schwierig ist, dann wird klar, dass Adipositas nicht nur eine Zivilisationserscheinung ist, sondern dahinter ernsthafte und ursächliche psychosoziale Probleme stehen. Um diese zu bewältigen, ist eine speziell ausgerichtete Psychotherapie erforderlich. Ziel ist, die individuellen Ursachen für die Essstörung zu identifizieren und alternative Verhaltensweisen zu lernen. Bewährt hat sich auch die Therapie in einer Gruppe. Parallel arbeitet der Betroffene regelmäßig in einer Selbsthilfegruppe mit Gleichgesinnten.

Ambulante oder stationäre Rehabilitation in einer Fachklinik für Essstörungen bzw. psychosomatischen Klinik ist ein ausgezeichneter Start auf dem Weg zur Veränderung von Verhalten und Lebensstil. Sie wird in der Regel von der Kranken- oder Rentenversicherung finanziert.



http://de.wikipedia.org/wiki/Adipositas


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